 |
 | |
 | |
 |
Aros
Die Wurzeln von Århus, schön an der Bucht gelegen, reichen zurück bis in die früheste Wikingerzeit. Die erste Siedlung entstand auf einer Sandbank, die sich an der Küste aus dem Flusstal über das Sumpfgebiet nördlich des Flüsschens Århus Å erhob. Aus dieser ersten Siedlung, von der bisher nur wenige Spuren gefunden wurden, entwickelte sich im 10. Jahrhundert im Schutze von Befestigungsmauer und Wallgraben, die um 950 angelegt wurden, der Ort Aros.
Im Jahr 948 war Aros bereits so groß und be-deutend, dass ein Bischof für Århus ernannt wurde. Da aber zum damaligen Zeitpunkt weder die Stadt noch das Land zum Christentum übergetreten waren, handelte es sich um einen Missionarsbischof, und die Kirche, die anschließend errichtet wurde, lag nicht innerhalb des Walls, sondern ca. 500 m westlich davon.
Diese Kirche wurde abgelöst vom ersten, Sankt Nikolai geweihten Dom der Stadt. Errichtet wurde er, nachdem Århus um 1060 im Zuge der Einteilung des Landes in Bistümer und Kirchsprengel durch Svend Estridsen Bischofssitz geworden war. Der Dom wurde aus Travertin- und Feldsteinen errichtet, hatte die gleiche Größe und das gleiche Aussehen wie eine große Dorfkirche, aber eine dreischiffige Krypta, die als ältester gemauerter Kirchenraum in Skandinavien unter dem Chor der heutigen Vor Frue Kirke erhalten ist. |
 | |
|
 | |  |
Die Skt. Clemens-Stadt
Bischof Peder Vognsen aus dem einflussreichen Geschlecht der Hvide hatte bei seiner Amtsein-führung im Jahre 1191 den Wunsch, Århus zu einem markanteren Bischofssitz als je zuvor zu machen. Er veranlasste den Bau eines neuen und größeren Doms mitten in der wallgesäumten Stadt, der Sankt Clemens, dem Schutz-heiligen der Seefahrer, geweiht war. Der 93 m lange rote Ziegelbau mit seinem in den Himmel strebenden Turm erhob sich als markantes Bau-werk mitten in der Stadt mit ihren nur zweistöckigen Häusern, umgeben von Bischofswohnung, Kapitelhaus, Domherrenwohnungen, Domschule u.a. Der Bischofssitz beherrschte die Stadt. |
|
 |
Gleichzeitig erfolgte eine große Umstrukturie-rung der Stadt: Die Plätze Lille Torv und Store Torv wurden angelegt, und es entstand das Straßennetz, das noch heute die Innenstadt durchzieht. Außerdem war die Stadt über den Wall hinausgewachsen, nach Norden entlang der Straßen Mejlgade und Studsgade, nach Westen entlang der Vestergade und auch am Südufer des Flüsschens.
Das Århus der Kaufleute
Im Zuge der Reformation verlor der Bischofssitz seinen beherrschenden Einfluss auf die Stadt, und der wachsende Stand der Kaufleute ge-wann an Einfluss. |
 | |
|
 | |  |
Der Magistrat, der sich aus Kaufleuten zusammensetzte, baute ein neues Rathaus direkt vor der Westfassade des Doms. Ein weiterhin blühender Handel und steigende Preise bildeten das finanzielle Rückgrat, das es den Kaufleuten erlaubte, in der Stadtmitte neue, große Fachwerkhöfe zu errichten.
Von den zahlreichen Kriegen, in die Dänemark im 17. Jahrhundert verwickelt war, hatten die Schwedischen Kriege von 1643-45 und von 1657-60 direkte Folgen für Århus. |
|
 |
Die Besat-zung durch fremde Truppen, Plünderungen, die schwedische Bombardierung von Teilen der Stadt von der Bucht aus, eine steigende Steuer-last, der Niedergang des Handels und das Wüten der Pest ließen die Stadt verarmen. Höfe und Häuser verfielen und wurden nicht wieder aufgebaut. Von ca. 1550 bis 1672 fiel die Ein-wohnerzahl von etwa 4.000-4.500 auf 3.474.
Erst Ende des 18. Jahrhunderts kamen wieder bessere Zeiten für den Handel mit Agrarprodukten, der Umsatz der Kaufleute und die Anzahl der Schiffe mit Århus als Heimathafen erreichten bald wieder das Niveau vergangener Zeiten. |
 | |
|
 | |  |
Nun siedelten sich die ersten kleineren Fabriks-betriebe am Fluss an, z.B. eine Seifensiederei, Tabakfabriken, Gerbereien und Färbereien. Diese Entwicklung setzte sich im 19. Jahrhun-dert fort und gewann vor allem nach 1850 an Tempo.
Der Hafen von Århus
Seit es die Stadt gibt, war das Flüsschen Århus Å der Hafen für die Schiffe, die Århus anliefen oder verließen. Doch die Schiffe wurden größer und schließlich zu groß für den Fluss, sodass viele vermutlich auf Reede liegen mussten, bis 1861 der erste Küstenhafen mit Dampfschiffs-mole fertig war. Seitdem wächst der Hafen ständig und wird ausgebaut – vom Flusshafen über den Küstenhafen zum Großhafen.
|
|
 |
Århus als Industriestadt
Um 1870 wurde Århus zum Knotenpunkt der Eisenbahnlinie, die Ostjütland in Nord-Süd-Richtung durchzieht (Østjyske Længdebane). Die Kombination Hafen/Eisenbahn brachte die industrielle Entwicklung in Schwung. 1862 wur-de eine Eisenbahnwerkstatt eingerichtet, die spätere „Centralværkstedet“. Mehrere Eisen-gießereien entstanden, z.B. Frichs im Jahre 1854, das sich zu einer großen Lokomotivfabrik entwickelte, die „Aarhus Palmekærnefabrik“ im Jahr 1871, aus der die Århus Oliefabrik wurde und die nun AAK AarhusKarlsham heißt, Otto Mønsteds Margarinefabrik im Jahr 1883 und viele andere größere und kleinere Unternehmen.
Der große Arbeitskräftebedarf dieser vielen Betriebe führte zu einem wahren Strom von Zuzüglern aus dem Umland. Von 1850, als Århus die viertgrößte Stadt in Dänemark war, bis 1901 stieg die Einwohnerzahl von 7.886 auf 51.814. Damit lag Århus nun an zweiter Stelle. Um Wohnraum für die vielen neuen Århusianer zu schaffen, entstanden neue Stadtteile, u.a. Frederiksbjerg, Trøjborg und das sog. Inselvier-tel, in dem die Straßen nach dänischen Inseln benannt sind. |
|
 | |
 |
Die Großgemeinde Århus
Die Vororte lagen wie ein Ring um die Stadt her-um und verhinderten, dass sich Århus ausdehnen konnte, denn in den Jahren nach dem Krieg war der Platz mittlerweile eng geworden. Daher zogen Unternehmen und Einwohner in die Vor-orte, das Steueraufkommen stagnierte. Im Zuge der Kommunalreform 1970 wurde die Stadt mit den Vororten und 11 Umlandgemeinden zusammengelegt zur Århus Kommune. Damit hatte die Entwicklung von Århus zur Großstadt begonnen.
Mehrere der großen alten Industriebetriebe sind inzwischen geschlossen, und Hi-Tech-Unter-nehmen sind an ihre Stelle gerückt. Heute ist Århus eine ausgesprochene Ausbildungsstadt, nicht zuletzt die 1928 gegründete Universität Århus prägt die Stadt. Hinzu kommen eine der größten technischen Schulen des Landes, deren Wurzeln bis ins Jahr 1828 reichen, sowie Studienseminare für Lehrer und Sozialpädagogen. |
|
|
| | |